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<title>Lab</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Lab</span></h1>
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<p><b>Lab</b> (auch <i>Kälberlab</i>) ist ein Gemisch aus den <a href="Enzym" title="Enzym">Enzymen</a> <a href="Chymosin" title="Chymosin">Chymosin</a> und <a href="Pepsin" title="Pepsin">Pepsin</a>, welches aus dem <a href="Labmagen" title="Labmagen">Labmagen</a> (genannt auch Käsemagen) junger <a href="Wiederk%C3%A4uer" title="Wiederkäuer">Wiederkäuer</a> im milchtrinkenden Alter gewonnen und zum <a href="Dicklegen" class="mw-redirect" title="Dicklegen">Ausfällen der Milchproteine</a> bei der Herstellung von <a href="K%C3%A4se" title="Käse">Käse</a> genutzt wird.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>
Vor allem Chymosin dient natürlicherweise dazu, die Muttermilch durch Eindicken verdaubar zu machen. Manche Säugetiere produzieren im Magen Chymosin oder andere Enzyme, um das Milchprotein – Kasein – im Magen auszufällen und damit verdaubar zu machen. </p>
<p>Jeder Käse, der mittels Süßmilchgerinnung (daher die Bezeichnung <i><a href="S%C3%BC%C3%9Fmilchk%C3%A4se" class="mw-redirect" title="Süßmilchkäse">Süßmilchkäse</a></i>) erzeugt wird, benötigt Lab oder Labaustauschstoff als Zusatzstoff zur <a href="Denaturierung_(Biochemie)" title="Denaturierung (Biochemie)">Koagulation</a> (Gerinnung) der Milch. Nahezu alle bekannten Hart- und Schnittkäsearten kommen aus der Süßmilchgerinnung. Auch <a href="Frischk%C3%A4se" title="Frischkäse">Frischkäse</a>, der zwar typischerweise durch Sauermilchgerinnung unter Zuhilfenahme von <a href="Milchs%C3%A4ure" title="Milchsäure">Milchsäurebakterien</a> aus <a href="Quark_(Lebensmittel)" class="mw-redirect" title="Quark (Lebensmittel)">Quark</a> oder <a href="Joghurt" title="Joghurt">Joghurt</a> hergestellt wird, kann Lab enthalten.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die Eigenschaft des Labs, das Milchprotein <a href="Kasein" title="Kasein">Kasein</a> so zu spalten, dass die Milch zur <a href="Dickmilch" title="Dickmilch">Dickmilch</a> eindickt, ohne sauer zu werden, wurde schon im Altertum erkannt und für die Käseproduktion nutzbar gemacht. Zum Beispiel rühmt <a href="Aristoteles" title="Aristoteles">Aristoteles</a> das Lab von jungen <a href="Hirsche" title="Hirsche">Hirschen</a> oder <a href="Reh" title="Reh">Rehen</a> als besonders wirksam.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Eigenschaften">Eigenschaften</h2></div>
<p>Das im Lab enthaltene <a href="Enzym" title="Enzym">Enzym</a> bringt schon in geringer Dosis sehr große Mengen (1:6000–1:600.000 Teile) Milch zur <a href="Denaturierung_(Biochemie)" title="Denaturierung (Biochemie)">Gerinnung</a>. Es entfaltet die stärkste Wirkung bei 36–37 °C, büßt seine Kraft bei höherer Temperatur dagegen sehr schnell ein. Eine schwach <a href="S%C3%A4ure" class="mw-redirect" title="Säure">saure</a> Reaktion begünstigt die Labwirkung, <a href="Alkalische_L%C3%B6sung" title="Alkalische Lösung">alkalische</a> dagegen und gewisse <a href="Salze" title="Salze">Salze</a> heben sie auf. Die zur Gerinnung führende Wirkung des Labs ist auf die Abspaltung eines Teils (Glycomakropeptid) der <a href="Mizelle" title="Mizelle">Kaseinmizelle</a> (genauer: des κ-Kaseins) durch das <a href="Chymosin" title="Chymosin">Chymosin</a> zurückzuführen. Dadurch verlieren die Mizellen ihre „Schutzhülle“ und es erfolgt eine <a href="Aggregation_(Chemie)" title="Aggregation (Chemie)">Aggregation</a> der Mizellen, was schließlich zur Gelbildung führt. Das <a href="Gel" title="Gel">Gel</a> besteht nach seiner Ausbildung im Wesentlichen aus einer festen Phase, dem Proteinnetzwerk, sowie der darin eingeschlossenen <a href="S%C3%BC%C3%9Fmolke" class="mw-redirect" title="Süßmolke">Süßmolke</a>.
Das Labferment wirkt dabei nur als <a href="Katalysator" title="Katalysator">Katalysator</a>, wird bei der Spaltreaktion also nicht verbraucht. Daher reichen schon sehr geringe Mengen zum Dicklegen der Milch aus. Eine größere Menge an Lab und erhöhte Temperaturen vergrößern die Reaktionsgeschwindigkeit und verändern so die Struktur des sich bildenden Gels. Die Reaktion kommt nach einiger Zeit zum Erliegen, da das <a href="Substrat_(Biochemie)" title="Substrat (Biochemie)">Substrat</a> verbraucht wird (<a href="Enzym" title="Enzym">Enzym</a>-Reaktion). Abgebrochen werden kann die Reaktion nur durch Inaktivierung des Enzyms, etwa durch Hitze, Säure, Lauge etc. Dies ist aber bei der Käseproduktion nicht nötig und würde zudem zu beträchtlichen Veränderungen des daraus entstehenden Käses führen. Nach dem Schneiden des Gels in <a href="Bruch_(K%C3%A4se)" title="Bruch (Käse)">Käsebruch</a> tritt während der <a href="Syn%C3%A4rese_(Physik)" title="Synärese (Physik)">Synärese</a> ein Teil der Süßmolke aus dem Gelnetzwerk aus. Über die Temperatur, Größe der Bruchwürfel/Bruchkörner sowie die Dauer der Synärese lässt sich die Trockenmasse des entstehenden Käses steuern. Mit niedriger Temperatur und großen Bruchkörnern erzielt man <a href="Weichk%C3%A4se" title="Weichkäse">Weichkäse</a>, mit hoher Temperatur und kleinen Bruchkörnern <a href="Hartk%C3%A4se" title="Hartkäse">Hartkäse</a>.
</p><p>In der Praxis wird das Lab bei der Käsebereitung meist bei Temperaturen zwischen 30 und 36 °C angewandt – das Temperaturoptimum für das Enzym liegt bei Körpertemperatur, das Optimum für den Käsungsprozess liegt etwas darunter. Bei Temperaturen unter 30 °C findet zumeist keine oder nur eine schlechte Koagulation statt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Deklaration">Deklaration</h3></div>
<p>Lab ist international als <a href="Produktionshilfsstoff" class="mw-redirect" title="Produktionshilfsstoff">Produktionshilfsstoff</a> und nicht als <a href="Lebensmittelzusatzstoff" title="Lebensmittelzusatzstoff">Lebensmittelzusatzstoff</a> eingestuft. Daher ist die Art des eingesetzten Dicklegungsmittels (Labstoffes) nicht deklarationspflichtig. Im Normalfall wird daher auf den Packungen keine Auskunft über die Herkunft des Labs gegeben. In <a href="Biosupermarkt" title="Biosupermarkt">Biosupermärkten</a> und <a href="Vegetarier" class="mw-redirect" title="Vegetarier">Vegetarierläden</a> wird mittlerweile fast immer angegeben, ob tierisches Lab oder einer der Austauschstoffe zum Einsatz kam. Bei Biokäsen ist die Verwendung von Labaustauschstoffen, die mit Hilfe der <a href="Wei%C3%9Fe_Biotechnologie" class="mw-redirect" title="Weiße Biotechnologie">weißen Biotechnologie</a> gewonnen werden, aber ohnedies ausdrücklich verboten.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Gefahren">Gefahren</h3></div>
<p>Gegen die Bestandteile von Lab, insbesondere bei beruflicher Exposition, können sich Allergien der Atemwege entwickeln.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Geschichte">Geschichte</h2></div>
<p>Alexander Schmidt (1831–1914) und <a href="Olof_Hammarsten" title="Olof Hammarsten">Olof Hammarsten</a> (1841–1932) fanden 1871/1872 heraus, dass das Labferment verantwortlich für die Milchgerinnung ist.<sup id="cite_ref-:0_5-0" class="reference"><a href="#cite_note-:0-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die Umwandlung des Caseins ist noch calciumunabhängig, aber im nächsten Schritt, der Ausfällung, wird es benötigt. Diesen Einfluss des Calciums konnten auch <a href="Maurice_Arthus" title="Maurice Arthus">Maurice Arthus</a> und Calixte Pagès (geb. 1857) bestätigen.<sup id="cite_ref-:0_5-1" class="reference"><a href="#cite_note-:0-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Lange wurde davon ausgegangen, dass Chymosin und Pepsin ein Enzym seien. <a href="Olof_Hammarsten" title="Olof Hammarsten">Olof Hammarsten</a> und Sigval Schmidt-Nielsens (1877–1956) konnten durch ihre Forschung jedoch belegen, dass das Lab ein eigenständiges Enzym ist, welches 1942 das erste Mal isoliert wurde.<sup id="cite_ref-:0_5-2" class="reference"><a href="#cite_note-:0-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Herstellung_von_Naturlab_(tierisches_Lab)"><span id="Herstellung_von_Naturlab_.28tierisches_Lab.29"></span>Herstellung von Naturlab (tierisches Lab)</h2></div>
<p>Tierisches Lab (lateinisch <i>Fermentum animale</i>, bei <a href="Scribonius_Largus" title="Scribonius Largus">Scribonius Largus</a> synonym mit <i><a href="Koagel" title="Koagel">Coagulum</a></i><sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>) – Naturlab – wird in den sogenannten Hauptzellen der Magenschleimhaut des vierten Magens (<a href="Labmagen" title="Labmagen">Labmagen</a>) junger, noch <a href="Milch" title="Milch">Milch</a> saugender <a href="Wiederk%C3%A4uer" title="Wiederkäuer">Wiederkäuer</a> zur Milchverdauung produziert und von diesen Zellen dann bei Bedarf <a href="Sekretion" title="Sekretion">sezerniert</a>. Meist findet Lab von <a href="Kalb" title="Kalb">Kälbern</a> für Kuhmilch Verwendung, es kann aber auch von <a href="Hausschaf" title="Hausschaf">Schafen</a> und <a href="Hausziege" title="Hausziege">Ziegen</a> stammen. Lab von anderen Säugetieren – Ausnahme Kamellab für Kamelmilch – findet heute keine Anwendung mehr (Seit der Antike ist auch die Verwendung von <i>Coagulum</i> von Hasen, Pferden, Seehunden, Lämmern, Kälbern, Ziegen und Gazellen belegt<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>). Je jünger das Tier war, von dem der Magen stammt, und je weniger anderes Futter als Milch es zu sich genommen hat, desto höher ist der Chymosingehalt und umso besser ist die Labqualität.
</p><p>Jedes Säugetier produziert sein spezielles Labenzym zur Verdauung der Muttermilch. Daher ist für die Käseproduktion aus Kuhmilch Kälberlab am besten geeignet.
</p><p>Jede Form der Naturlabproduktion zielt nur darauf ab, das in den Hauptzellen der Magenschleimhaut produzierte Enzym in eine Extraktionslösung zu überführen. Mägen für die Labproduktion werden kostenintensiv speziell dafür vorbereitet, tiefgefroren oder mittels Salz konserviert.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Klassische_Produktionsmethoden">Klassische Produktionsmethoden</h3></div>
<p>Diese Produktionsweise wird heute nur mehr von sehr traditionsbewussten Almsennereien eingesetzt. Zur Bereitung einer Labflüssigkeit von großer Stärke und Haltbarkeit zerschneidet man getrocknete, wenigstens drei Monate alte Mägen von Saugkälbern, von denen man den faltenlosen Teil abgetrennt hat, in kleine Stücke und lässt 100 Teile derselben mit 1 Liter Wasser, 50 g <a href="Speisesalz" title="Speisesalz">Kochsalz</a> und 40 g <a href="Bors%C3%A4ure" title="Borsäure">Borsäure</a> bei gewöhnlicher Temperatur unter häufigem Umschütteln fünf Tage stehen, setzt dann weitere 50 g Kochsalz zu und <a href="Filtration_(Trennverfahren)" title="Filtration (Trennverfahren)">filtriert</a>. Von guter Labflüssigkeit muss 1 Teil wenigstens 6000 Teile frischer ganzer Milch bei 35 °C in 40 Minuten zum Gerinnen bringen.
</p><p>Eine zur Molkenbereitung geeignete <b>Labessenz</b> (<i>Liquor seriparus</i>) erhält man durch dreitägiges <a href="Mazerieren" class="mw-redirect" title="Mazerieren">Mazerieren</a> von 3 Teilen frisch abgeschabter Schleimhaut des Labmagens mit 26 Teilen weitem (sehr schwach saurem, 8 bis 9 Prozent Alkohol enthaltendem) <a href="Wein" title="Wein">Wein</a> und einem Teil Kochsalz. Ein Teelöffel voll des Filtrats, auf 35 bis 40 °C erwärmt, bringt 0,5 Liter Milch zum Gerinnen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Moderne_Methode">Moderne Methode</h3></div>
<p>In modernen Milchzuchten – speziell in Neuseeland, Australien, aber auch USA und Kanada – werden die neugeborenen Kälber nach 2 bis 10 Tagen von der Mutterkuh getrennt, geschlachtet und verwertet. Neben vielen anderen Verwertungsprodukten, bis hin zum Futtermittel für Haustiere, werden die Labmägen speziell aufbereitet, tiefgefroren und an Laberzeuger verkauft.
</p><p>Die tiefgefrorenen Labmägen werden zerkleinert und in einer Extraktionslösung wird das Lab-Enzym daraus extrahiert. Die Lösung wird anschließend durch mehrere Filtrationsstufen von allen Verunreinigungen befreit. Das Enzym wird aktiviert, konzentriert und in einer Salzlösung konserviert.
</p><p>In weiteren Verarbeitungsschritten können aus dem Labextrakt auch Chymosin und Pepsin ausgefällt und zu einem Labpulver verarbeitet werden. Labpulver besitzt eine höhere Konzentration als ein Extrakt.
</p><p>1 Kilogramm Labextrakt enthält ca. 1 Gramm reine Enzymsubstanz, der Rest ist Wasser und Salz. Für die Produktion von ca. 100 kg Käse werden ungefähr 200 Gramm Labextrakt (abhängig von der jeweiligen Konzentration des Labextraktes) benötigt. Im Käsungsprozess werden je nach Käseart und Verarbeitung 60 bis 80 % des Labenzymes mit der Molke ausgeschwemmt. Somit verbleiben in einem Kilogramm Käse nur ca. 0,0004 bis 0,0008 Gramm Labenzym – entspricht 0,4 bis 0,8 ppm (parts per million).
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Labaustauschstoffe">Labaustauschstoffe</h2></div>
<p>Die Anzahl der Kälbermägen für die Extraktion von Naturlab wird von der Nachfrage nach Kalbfleisch bestimmt und ist somit beschränkt. Die weltweite Käseproduktion steigt jährlich. Nur ca. 35 % der weltweiten Käseproduktion können mit Naturlab produziert werden. Für die verbleibenden 65 % müssen alternative Koagulantien verwendet werden. <a href="Vegetarisch" class="mw-redirect" title="Vegetarisch">Vegetarier</a> sehen Naturlab als ungeeignet für die Käseproduktion an, da das Enzym aus Kälbermägen extrahiert wird. In islamischen Gemeinschaften wird Naturlab für die Käseproduktion verwendet, allerdings muss dieses <a href="Hal%C4%81l" title="Halāl">halāl</a>-zertifiziert sein – der Rohstoff muss also von nach islamischem Ritus geschlachteten Tieren kommen. Auch die Produktion muss kontrolliert und zertifiziert sein. Die <a href="J%C3%BCdische_Speisegesetze" title="Jüdische Speisegesetze">jüdischen Speisegesetze</a> schließen die Verwendung von Naturlab aus, da bei der Verwendung von tierischem Lab die vorgeschriebene Trennung von Milchigem und Fleischigem nicht eingehalten wird.<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Pflanzliche_Labaustauschstoffe">Pflanzliche Labaustauschstoffe</h3></div>
<p>Dem Labferment sehr ähnlich wirkende Enzyme kommen vor allem in den <a href="Labkr%C3%A4uter" title="Labkräuter">Labkräutern</a> vor, was dieser <a href="Gattung_(Biologie)" title="Gattung (Biologie)">Gattung</a> auch den Namen gegeben hat. Weitere Vorkommen im Pflanzenreich sind: Saft der <a href="Papaya" title="Papaya">Papaya</a>, Milchsaft des <a href="Echte_Feige" title="Echte Feige">Feigenbaums</a>, Saft der <a href="Ananas" title="Ananas">Ananas</a> bzw. die daraus <a href="Proteinreinigung" title="Proteinreinigung">gereinigten</a> Proteasen <a href="Papain" title="Papain">Papain</a>, <a href="Ficain" title="Ficain">Ficain</a> und <a href="Bromelain" title="Bromelain">Bromelain</a>.<sup id="cite_ref-Lösche_9-0" class="reference"><a href="#cite_note-Lösche-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Pflanzliche Gerinnungsmittel bringen aber beim Käsen atypische und ungewöhnliche geschmackliche Ergebnisse und werden traditionell nur bei speziellen Käsesorten wie z. B. beim <a href="Queijo_Serra_da_Estrela" title="Queijo Serra da Estrela">Queijo Serra da Estrela</a> in Portugal (distelartige Pflanze <i><a href="Cynara_cardunculus" title="Cynara cardunculus">Cynara cardunculus</a>)</i>, bei einigen Käsesorten Spaniens, wie der Torta del Casar der Extremadura, dem Flor de Guía, Gran Canaria, oder bei traditionellen Ziegenkäsen von Ibiza<sup id="cite_ref-books-pRrGDQAAQBAJ-PT798_10-0" class="reference"><a href="#cite_note-books-pRrGDQAAQBAJ-PT798-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-11" class="reference"><a href="#cite_note-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-12" class="reference"><a href="#cite_note-12"><span class="cite-bracket">[</span>12<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> sowie in England beim <a href="Gloucester_(K%C3%A4se)" title="Gloucester (Käse)">Double Gloucester</a> (das <a href="Echtes_Labkraut" title="Echtes Labkraut">Echte Labkraut</a> <i><a href="Galium_verum" class="mw-redirect" title="Galium verum">Galium verum</a></i>) eingesetzt.<sup id="cite_ref-books-Wiw1AQAAMAAJ-84_13-0" class="reference"><a href="#cite_note-books-Wiw1AQAAMAAJ-84-13"><span class="cite-bracket">[</span>13<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Mikrobielle_Labaustauschstoffe">Mikrobielle Labaustauschstoffe</h3></div>
<p>Heute können labähnliche Proteasen – Mucor-Pepsine – auch auf mikrobiellem Weg in <a href="Fermenter" class="mw-redirect" title="Fermenter">Fermentern</a> produziert werden. Als Produzenten für die Lab-Austauschstoffe werden unter anderem <a href="Schimmelpilz" class="mw-redirect" title="Schimmelpilz">Schimmelpilze</a> (lat. <i>Mucor</i>) benutzt (<i>Rhizomucor miehei</i> (früher <i>Mucor mihei</i>)), <i>Rhizomucor pusillus</i> (früher <i>Mucor pusillus</i> oder <i><a href="Endothia_parasitica" class="mw-redirect" title="Endothia parasitica">Endothia parasitica</a></i>). Aufgrund der unterschiedlichen <a href="Aminos%C3%A4ure" class="mw-redirect" title="Aminosäure">Aminosäurenzusammensetzung</a> muss der Produktionsprozess für den Käse angepasst werden. Bei länger reifendem Käse können Bitterpeptide entstehen. Neueste Untersuchungen zeigen auch, dass Käsungsverluste auftreten können. Die mikrobiellen Produkte werden auch fälschlich als pflanzliches Lab bezeichnet. Bei der Verwendung geeigneter <a href="N%C3%A4hrmedien" class="mw-redirect" title="Nährmedien">Nährmedien</a> im Fermenter – z. B. kein <a href="Blut" title="Blut">Blut</a>-<a href="Albumin" class="mw-redirect" title="Albumin">Albumin</a> zur Versorgung mit Aminosäuren – sind diese Produkte für Vegetarier-Käse geeignet.
Die <a href="Europ%C3%A4ische_Beh%C3%B6rde_f%C3%BCr_Lebensmittelsicherheit" title="Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit">EFSA</a> verweigert in einer Stellungnahme im Speziellen den Pilzen, welche hauptsächlich zur Produktion von mikrobiellem Labersatzstoff verwendet werden, den QPS-Status (Qualified Presumption of Safety).
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Biotechnologisch_erzeugte_Labaustauschstoffe">Biotechnologisch erzeugte Labaustauschstoffe</h3></div>
<p>Eine Alternative zu natürlichen Labenzymen ist <a href="Chymosin" title="Chymosin">Chymosin</a>, das mit Hilfe gentechnisch veränderter Mikroorganismen (<i><a href="Escherichia_coli" title="Escherichia coli">Escherichia coli</a></i> (Bakterium), <i><a href="Kluyveromyces_lactis" class="mw-redirect" title="Kluyveromyces lactis">Kluyveromyces lactis</a></i> (<a href="Hefen" title="Hefen">Hefe</a>) oder <i><a href="Aspergillus_niger" class="mw-redirect" title="Aspergillus niger">Aspergillus niger</a></i> (<a href="Schimmelpilz" class="mw-redirect" title="Schimmelpilz">Schimmelpilz</a>)) produziert wird. 1988 ließ das <a href="Bundesamt_f%C3%BCr_Gesundheit" title="Bundesamt für Gesundheit">Bundesamt für Gesundheit</a> mit <i>Maxiren</i> erstmals ein biotechnologisch erzeugter Labaustauschstoff für die <a href="K%C3%A4seherstellung_in_der_Schweiz" title="Käseherstellung in der Schweiz">Käseherstellung in der Schweiz</a> zu; im Oktober 1992 wurde <i>Chymax</i> und im April 1993 <i>Chimogen</i> zugelassen.<sup id="cite_ref-14" class="reference"><a href="#cite_note-14"><span class="cite-bracket">[</span>14<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Es besteht dort keine Deklarationspflicht, womit die so hergestellten Käse als <a href="Gentechnikfrei" title="Gentechnikfrei">gentechnikfrei</a> gelten und somit nicht zu den <a href="Gentechnisch_ver%C3%A4ndertes_Lebensmittel" title="Gentechnisch verändertes Lebensmittel">gentechnisch veränderten Lebensmitteln</a> gezählt werden.<sup id="cite_ref-15" class="reference"><a href="#cite_note-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-16" class="reference"><a href="#cite_note-16"><span class="cite-bracket">[</span>16<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> In Deutschland sind derzeit drei Chymosin-Labaustauschstoffe (unter den <a href="Marke_(Recht)" title="Marke (Recht)">Handelsmarken</a> Maxiren, Chymogen oder Chy-Max) zugelassen.<sup id="cite_ref-17" class="reference"><a href="#cite_note-17"><span class="cite-bracket">[</span>17<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Im Gegensatz zu Kälberlab mit 3 Chymosin-Haupttypen und mindestens 3 Untertypen sowie dementsprechenden Pepsinen enthalten diese Produkte aber nur jeweils einen einzelnen Chymosintypus – entweder A oder B – welcher aber in der <a href="Aminos%C3%A4ure" class="mw-redirect" title="Aminosäure">Aminosäurenzusammensetzung</a> mit dem jeweiligen natürlichen Chymosintypus identisch ist. Diese Enzyme spalten spezifischer, was zu einer erhöhten Ausbeute und zu einem verringerten Bittergeschmack im Vergleich zu natürlichem Lab und mikrobiellen Ersatzstoffen führt. Für die Produktion von <a href="Bio-Lebensmittel" title="Bio-Lebensmittel">Bio-Lebensmitteln</a> sind diese Produkte in Europa verboten. Für Vegetarier-Käse sind diese Produkte bei der Verwendung geeigneter <a href="N%C3%A4hrmedien" class="mw-redirect" title="Nährmedien">Nährmedien</a> im Fermenter – z. B. kein <a href="Albumin" class="mw-redirect" title="Albumin">Albumin</a> zur Versorgung mit <a href="Aminos%C3%A4uren" title="Aminosäuren">Aminosäuren</a> – geeignet.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
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<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
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